Ich habe Urlaub gemacht, um meine Französischkenntnisse eine Woche lang in einer Sprachschule in Montpellier zu verbessern. Dort habe ich bei einer Gastfamilie bzw. -mutter gewohnt. Unglaublich, was ich erlebt habe...
1. Tag:
Ankunft am Sonntag abend. Beim Abendessen wurde die Hausordnung verkündet:
Regel Nr.
1) Haustürschlüssel 4x rumdrehen
2) In meinem Zimmer die Sachen in den vorgegebenen Boxen im Regal verstauen
3) Nichts auf dem Boden hinstellen, was das Staubsaugen erschweren könnte (im Endeffekt wurde kein einziges Mal durchgesaugt, da am Ende der Woche ein Papierschnipzel immer noch da lag)
4) Den Koffer danach unter dem Bett verstauen
5) Grundsätzlich nur abends bis spätestens 22h duschen
6) Sparsam mit Wasser umgehen, z.B. beim Einseifen Hahn zudrehen
7) Das benutzte Toilettenpapier nicht mit runterspülen, sondern in den Mülleimer werfen
8) Bei Benutzung der Toilette nach 23h nicht mehr spülen (Nachtruhe)
9) Katze niemals aus dem Haus rauslassen
10) Fensterläden meines Zimmers geschlossen lassen, wegen der Katze (es war immer dunkel)
11) Licht nicht unnötig brennen lassen
12) Tür leise schließen
13) Bett morgens machen (bei den vielen frz. Laken eine Meisterleistung)
14) Zimmer jeden Morgen sauber hinterlassen
15) Rechtzeitig Bescheid geben, falls ich zum Abendessen nicht da bin
16) Schuhe ausziehen und in den Korb tun
17) Handtuch auf dem vorgegebenen Haken im Bad hängen

Eigentlich meine ich zu wissen, wie man sich zu benehmen hat. Aber als ich das dann noch alles aufs Butterbrot geschmiert bekommen habe, war ich doch etwas sprachlos. Insgesamt musste ich jeden Morgen mind. eine viertel Stunde einplanen, um mein Zimmer auf Vordermann zu bringen und um alles so zu hinterlassen, wie es gefordert war.
2. Tag:
Regen, Regen und nochmals Regen! Einweisung und Zuordnung zur Gruppe. Bin in der Groupe avancé. Wir schauen uns Nachrichten an und lesen die Zeitung und versuchen das ganze zu verstehen. Waehrend unsere Gruppe aus ca. 7 Leuten und fast nur Deutschen besteht, tummeln sich in den anderen Gruppen Amerikaner, Singapuris, Chinesen und sonstiges. In der Mittagspause gibt es einen Aperitif mit Wein und verschiedenen Käsesorten. Nachmittags die Stadtfuehrung durch
Montpellier, gefuehrt von meinem Lehrer Thierry. Abends vor dem Essen die empfohlene Joggingstrecke meiner Gastmutter ausprobiert. Immerhin gleich um die Ecke, jedoch etwas klein der Park, so dass ich mind. 8 Runden laufen musste, um auf eine halbe Stunde zu kommen.
3. Tag:
Im Unterricht lesen und interpretieren wir Comics von Ti-Teuf. Witzig der Kleine. Nachmittags fahren wir von der Schule aus mit dem Bus nach
Saint-Maries-de-la-Mer, in die Carmarque.

D.h. nochmal Flamingos, Wildpferde und Stiere. Von der Kirche hatte man einen tollen Ausblick ueber den Ort und zum Meer. Es war total stuermisch und die Wellen der absolute Wahnsinn. Vor der Rueckfahrt gab es einen Apertif am Bus. Salami von Stieren (wuerde mal sagen eher Geschmackssache) und dazu der für die Region typische Vin du Sable. Auf der Rueckfahrt frz. Lieder gesungen, während unser Animateur Gitarre gespielt hat. Abends vor dem Essen gab es wieder einen Aperitif. Hatte die Wahl zwischen Likör und Whiskey-Cola und lerne mal ganz andere Seiten meiner Gastmutter kennen....
4. Tag:
Shopping nach dem Unterricht. Abends haben wir bei der Freundin meiner Gastmutter gegessen. Super lecker. Ich liebe das Essen der Franzosen! 4 Gaenge: Salat, Hauptspeise, Kaeseplatte, Kuchen!
5. Tag:

Wetter wird so langsam besser. Mit Nicole, einer Schweizerin, am Meer suedlich von Montpellier lang gefahren und an den schoensten Stranden angehalten, danach weiter ueber
Sête bis zum
Cap d' Adge.
6. Tag:
Auf Wunsch unseres Lehrers

halte ich ne 15min. frz. Präsentation ueber die Wiedervereinigung in Deutschland. Gar nicht so schlecht gelaufen und danach natuerlich stolz wie Oskar. Zusammen mit zwei anderen Deutschen, Lotta und Kathrin, bin ich am Nachmittag nach
Carnon zum Strand gefahren und danach in das altertümliche Doerfchen
Aigues-Mortes, wo wir uns u.a. mit lecker aussehenden Keksen eingedeckt haben, die letztlich ziemlich trocken waren.
7.Tag:

Gegen 10h morgens kam Annette aus Toulouse am Bhf in Montpeiller an, gegen Mittag dann Karin aus Grenoble. Dazu kamen noch Lotta und Kathrin, so dass wir uns zu fuenft in mein Auto gequetscht haben, um die Gegend von Montpellier zu erkunden. Ueber die
Pont de Diable (Teufelsbruecke) weiter zu der
Grotte de Clamouse bis zu dem mittelalterlichen Ort
St-Guilhem-le-Désert, wo wir einen pitoresken Laden nach dem anderen bestaunt haben (man sehe uns mit großen Augen und offenen Mündern) und uns letztlich mit leckerer Olivenpastete eingedeckt haben. Gewandert sind wir später noch oberhalb des Ortes, was echt schoen war.
Ich konnte mich nicht mehr einkriegen vor lachen als ich am Abend Annette und Karin in ihr Hotel gebracht habe, dass meine Gastmutter fuer die beiden organisiert hat. So einen Empfang habe ich noch nie gesehen. Ein Kabuff bestehend aus einem Bett mit einem Mann, dem fast die Zaehne rausfallen, zwei Hunden und einem laufenden Fernseher. Hat nur das Bier gefehlt. Aber wahrscheinlich haben wir es nur nicht gesehen. Da koennt Ihr Euch vielleicht vorstellen, welch ein übler Geruch uns aus der Luke beim Zahlen entgegenkam.
8. Tag:

Sonntag morgen
gings dann in gleicher Besetzung weiter. Von der
Pont du Gard, über
Les Baux (super sehenswert, denn der Ort liegt auf einem fast freistehenden Fels) bis nach
Nimes, wo wir uns die Arena und den Jardin de la Fontaine angesehen haben. Abends war am Bahnhof leider Abschied angesagt, denn die schöne Zeit im Süden war mal wieder vorbei.